Rezensionen

[Rezension] Christoph Martin: Die Expansion

In der Politik und in der Wirtschaft ist die Wahrheit eine Ermessensfrage.


Für Max Burns ist ein Traum wahr geworden: Als Chefingenieur ist er für das Konzept und die Überwachung eines der größten Bauprojekte des 21. Jahrhunderts zuständig, die Erweiterung des Panamakanals.


Ihre Tarnidentität am Smithsonian Tropical Research Institute erlaubt es Agentin Karis Deen das Bauprojekt rund um den Panamakanal im Blick zu behalten. Denn in der Welt des internationalen Handels und der Diplomatie sind die Einsätze hoch und es wird nicht immer fair gespielt.
Bald gerät Max in ein Netz aus Intrigen und Verrat, das weit über die idyllischen Ufer Mittelamerikas hinausreicht. Seine einzige Verbündete scheint Karis zu sein, aber kann er ihr trauen?

Meine Meinung + Fazit

Mit "Die Expansion" hat Christoph Martin einen Wirtschaftsthriller geschrieben, den man so schnell nicht aus der Hand legen kann. Mit einem anschaulichen Schreibstil entführt der Autor den Leser ins tropische Panama, wo offenbar so einiges vor sich geht. Er lässt den Leser das Bauprojekt und alles drumherum von Anfang an durch detailreiche Schilderungen miterleben und baut die Spannung von Kapitel zu Kapitel immer mehr auf.

 

Gut durchdachte Charaktere mit persönlicher Tiefe tragen maßgeblich zum Lesevergnügen bei. Jeder einzelne von ihnen entwickelt sich im Laufe der Geschichte weiter - es macht einfach Spaß ihnen dabei zuzusehen und sie durch das Netz aus Intrigen und Verrat zu begleiten. Besonders gefallen hat mir Karis, die hier als starke Frau auftritt, sich nichts gefallen lässt und doch in ihrer Weiblichkeit bleibt. Oft genug gibt es klischeehaft-weibliche Protagonistinnen oder der solchen starke, die dann schon fast männlich wirken - hier ist dies glücklicherweise nicht der Fall!

 

Obwohl Wirtschaftsthriller für mich immer so eine Sache sind, da solche auch oft nach hinten losgehen können, was Spannung und Story angeht, hat Christoph Martin mich mit "Die Expansion" vollkommen überzeugen können. Neben seinem super Schreibstil, den tollen Charakteren und der sich steigernden Spannung, hat sicherlich auch das Setting in Panama dazu beigetragen, dass ich dieses Buch nicht mehr weglegen wollte, denn: gefühlt spielen 9 von 10 Büchern in England, den USA oder Deutschland - das hier war einfach mal etwas anderes für mich. Einzig das Cover könnte etwas besser gestaltet sein, denn die schwarze Schrift auf der schwarzen Palme ist nicht gut zu erkennen.

 

Abgesehen von diesem kleinen Cover-Minuspunkt: Alle Daumen hoch für diesen packenden Thriller!

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[Rezension] Wolfgang Hohlbein: Killer City

Chicago, 1893: Die kürzlich eröffnete Weltausstellung lockt Millionen Besucher nach Chicago. Alle wollen sich an den neuesten technischen Wundern ergötzen. Doch unter die nichts ahnenden Besucher hat sich ein Raubtier gemischt.

 

Thornhill hat schon viele Menschen getötet. Immer auf der Suche nach seiner nächsten Beute, zieht er durch Amerika. In Chicago hofft er, in der Masse der Touristen unterzutauchen. Bald entflammt sein Hunger nach dem berauschenden Gefühl des Tötens, der tief am Grunde seiner Seele lauert, jedoch erneut. Und wenn die Dunkelheit ruft, muss Thornhill dem Ruf folgen …

Meine Meinung

Schon bevor das Buch erschienen ist, stand es auf meiner "Must Read"-Liste. Tatsächlich habe ich in meinem Leben bisher wenn es hoch kommt 2 Bücher von Wolfgang Hohlbein gelesen, aber soweit ich mich erinnere, gefielen sie mir gut. "Killer City" hat mich direkt angesprochen, denn sowohl Cover und Titel als auch Klappentext versprechen einiges an Spannung! Ich hatte das Glück, ein Vorab-Exemplar in eBook-Form zu ergattern, so konnte ich also frühzeitig beginnen, das Buch zu lesen - und der Plan war, pünktlich zum Erscheinungstermin die Rezension zu schreiben; so sehr können Pläne daneben gehen...

 

Wolfgang Hohlbein hat einen ganz eigenen, aber durchaus interessanten Schreibstil, der sich der Zeit des Geschehens durchweg anpasst. So ist man hier oft mit "alten" Wörtern konfrontiert, die jedoch alle verständlich sind oder sich zumindest aus Zusammenhängen ergeben. Die Kapitel springen in unterschiedlichen Jahrzehnten hin und her, sind allerdings (zumindest noch zu Beginn) gut nachzuvollziehen und zu unterscheiden. Diese Übergänge werden jedoch immer schwammiger und gestalten das Lesen daher zunehmend anstrengender.

 

Der Hauptprotagonist, Thornhill, ist eine komplizierte Person mit sehr vielen ebenso komplizierten Gedankengängen. Ihm zu folgen, seine Taten nachzuvollziehen, ihn zu verstehen, ist nicht immer leicht. Auf Dauer nerven seine Zweifel und Überlegungen beim Lesen leider sehr. Andere Charaktere bleiben oft oberflächlich, tauchen auf, verschwinden wieder oder waren nie wirklich da (so viel zu Thornhills Gedankengängen).

 

Leider verspricht der Klappentext mehr, als er letztendlich halten kann. Zu Beginn ist es noch spannend und man wartet nur darauf, was Thornhill nun in Chicago anstellen wird. Doch dann wird die Story immer langweiliger, es passiert nicht wirklich etwas, das nicht Vorhersehbar wäre; und vor allen Dingen passiert nichts, was auf dem Klappentext so angepriesen wird - ein Serienkiller auf einer Weltausstellung unter tausenden Besuchern? Daraus kann man viel machen - das hat der Autor aber leider nicht.

Fazit

Je größer die Vorfreude, umso tiefer die Enttäuschung. Dieses Buch konnte mich leider nicht überzeugen, denn obwohl "Thriller" draufsteht, steckt kein Thriller drin. Dementsprechend keine Empfehlung meinerseits...

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[Rezension] Gilbert Adair: Blindband

Ein alternder berühmter Schriftsteller, der nach einem Autounfall erblindet und entstellt ist, sucht per Zeitungsanzeige einen Sekretär, um ihm seine Autobiographie zu diktieren. In dem Landhaus bei London, in das sich Sir Paul zurückgezogen hat, spricht der junge John Ryder vor, der sich als Glücksfall zu erweisen scheint. Alle Pflichten erledigt er geduldig, ist technisch versiert und auch bereit, auf die Launen und Eigenheiten des klaustrophobischen Blinden einzugehen. Aber dann schleichen sich kleine Pannen ein, die Atmosphäre verändert sich unmerklich, etwas Böses bahnt sich an.

Meine Meinung

Gilbert Adair hat mit "Blindband" einen unglaublich tiefsinnigen und faszinierenden Roman geschrieben, in dem es nicht nur um das Leben selbst geht, sondern auch um Einsamkeit, Vertrauen und das Böse im Menschen. Er schafft es, mit einem fast nur aus Dialogen bestehenden Schreibstil, eine unglaublich spannende Geschichte zu erzählen, die den Leser mitnimmt und auch lange nach Beenden des Buches nicht loslässt. Lediglich zwei (!) Hauptprotagonisten bestimmen den Verlauf dieser Story und erschaffen durch ihre Gespräche, die mal tiefsinnig, mal humorvoll aber hin und wieder auch verwirrend zu sein scheinen, eine beklemmende Atmosphäre, die viel Spannung mit sich bringt und beim Leser sämtliche Alarmglocken klingeln lässt.

 

Sowohl Story als auch Protagonisten sind authentisch ausgearbeitet und von Beginn an undurchschaubar, aufregend, man könnte sagen von einer geheimnisvollen Aura umgeben. Es ist einfach nicht möglich, Adairs Roman auch nur kurz wegzulegen - man möchte wissen, was passiert, wie sich die Situation entwickelt, die Anspannung steigert; worum es eigentlich geht.

 

Der Titel gefällt mir bedingungslos gut. Die Zweideutigkeit des Titels spiegelt sich im gesamten Inhalt wider: Zum einen ist einer der Hauptprotagonisten blind - "Blindband" ist also sein Buch, seine Geschichte; gleichzeitig geht es um alles und nichts, denn ein Blindband ist ein leeres Buch, von Verlagen für Ausstellungszwecke genutzt - eine wichtige Hülle, leere Seiten. Mit jeder weiteren gelesenen Seite dieses Romans versteht man immer mehr, warum Adair ausgerechnet diesen Titel gewählt hat.

Fazit

Ich kann und möchte Gilbert Adairs Werk wirklich empfehlen. Jeder, der sich für Literatur interessiert, macht hier nichts falsch - jeder, der noch nie zu "richtiger" Literatur (keine Unterhaltungsliteratur wie Fantasy, Thriller etc.) gegriffen hat, kann hiermit getrost anfangen und macht ebenso wenig falsch. Das Buch hat mich wirklich gepackt und bleibt mir immer noch im Kopf.

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