Rezensionen

[Rezension] Gilbert Adair: Blindband

Ein alternder berühmter Schriftsteller, der nach einem Autounfall erblindet und entstellt ist, sucht per Zeitungsanzeige einen Sekretär, um ihm seine Autobiographie zu diktieren. In dem Landhaus bei London, in das sich Sir Paul zurückgezogen hat, spricht der junge John Ryder vor, der sich als Glücksfall zu erweisen scheint. Alle Pflichten erledigt er geduldig, ist technisch versiert und auch bereit, auf die Launen und Eigenheiten des klaustrophobischen Blinden einzugehen. Aber dann schleichen sich kleine Pannen ein, die Atmosphäre verändert sich unmerklich, etwas Böses bahnt sich an.

Meine Meinung

Gilbert Adair hat mit "Blindband" einen unglaublich tiefsinnigen und faszinierenden Roman geschrieben, in dem es nicht nur um das Leben selbst geht, sondern auch um Einsamkeit, Vertrauen und das Böse im Menschen. Er schafft es, mit einem fast nur aus Dialogen bestehenden Schreibstil, eine unglaublich spannende Geschichte zu erzählen, die den Leser mitnimmt und auch lange nach Beenden des Buches nicht loslässt. Lediglich zwei (!) Hauptprotagonisten bestimmen den Verlauf dieser Story und erschaffen durch ihre Gespräche, die mal tiefsinnig, mal humorvoll aber hin und wieder auch verwirrend zu sein scheinen, eine beklemmende Atmosphäre, die viel Spannung mit sich bringt und beim Leser sämtliche Alarmglocken klingeln lässt.

 

Sowohl Story als auch Protagonisten sind authentisch ausgearbeitet und von Beginn an undurchschaubar, aufregend, man könnte sagen von einer geheimnisvollen Aura umgeben. Es ist einfach nicht möglich, Adairs Roman auch nur kurz wegzulegen - man möchte wissen, was passiert, wie sich die Situation entwickelt, die Anspannung steigert; worum es eigentlich geht.

 

Der Titel gefällt mir bedingungslos gut. Die Zweideutigkeit des Titels spiegelt sich im gesamten Inhalt wider: Zum einen ist einer der Hauptprotagonisten blind - "Blindband" ist also sein Buch, seine Geschichte; gleichzeitig geht es um alles und nichts, denn ein Blindband ist ein leeres Buch, von Verlagen für Ausstellungszwecke genutzt - eine wichtige Hülle, leere Seiten. Mit jeder weiteren gelesenen Seite dieses Romans versteht man immer mehr, warum Adair ausgerechnet diesen Titel gewählt hat.

Fazit

Ich kann und möchte Gilbert Adairs Werk wirklich empfehlen. Jeder, der sich für Literatur interessiert, macht hier nichts falsch - jeder, der noch nie zu "richtiger" Literatur (keine Unterhaltungsliteratur wie Fantasy, Thriller etc.) gegriffen hat, kann hiermit getrost anfangen und macht ebenso wenig falsch. Das Buch hat mich wirklich gepackt und bleibt mir immer noch im Kopf.

0 Kommentare

[Rezension] Sylvain Neuvel: Waking Gods

What's going on?
Turn on the television.
What channel?
Any channel.

 

An unknown vessel, not of this world, materializes in London. A colossal figure towering over the city, it makes no move. Is this a peaceful first contact or the prelude to an invasion?

Every child has nightmares. But the only thing scarier than little Eva Reyes' dreams - apocalyptic visions of death and destruction - is the habit they have of coming true...

Scientist Dr Rose Franklin has no memory of the last few years. The strangers she works with say she died, and was brought back to life. The question is not just how ... but why?

Kara Resnik and Vincent Couture fell in love during war, and have found peace since. They are the thin line of defence against what is coming. But they do not know they have been living a lie.

And a man who claims to have the answers has his own agenda. There are things he cannot say - and others he won't.

 

All pieces of an epic puzzle. One we have been trying to solve since the dawn of time...

Meine Meinung

Sylvain Neuvel ist ein fantastischer Autor, der es schafft, Science Fiction real und zeitnah wirken zu lassen. Bei "Waking Gods" handelt es sich um den zweiten Teil der Themis Files Books (Teil 1: Sleeping Giants), mit dem Neuvel viele Jahre nach "Sleeping Giants" anknüpft.

 

Der Schreibstil, beim ersten Teil doch sehr gewöhnungsbedürftig, da es im Interview- und Logstil geschrieben ist, ermöglicht nun einen wunderbaren Lesefluss, der den Leser regelrecht an das Buch fesselt. Kommt einem ein Kapitel erst einmal lang vor, verschwindet dieses Gefühl während des Lesens relativ schnell, da man die Seiten so wegliest. Viel Gestaltungsraum für Umgebungsdetails o.Ä. bleibt dem Autor auf Grund des oben erwähnten Stils nicht; diese "fehlenden" Details macht er jedoch in den Dialogen und (Tagebuch)Logs zu hundert Prozent wieder wett. Obwohl man im Grunde immer nur Gesprächspartner, Ort und Land / Stadt kennt, hat man beim Lesen automatisch klare Vorstellungen davon, wie es dort gerade aussieht (oder aussehen könnte - jede Fantasie ist bekanntlich anders).

 

Von den Protagonisten bin ich ebenso begeistert wie vom Schreibstil. Auch hier bleibt dem Autor nur die Möglichkeit, seinen Charakteren innerhalb der Gespräche und Logeinträge Raum für Entwicklung zu geben - und dieser wird sehr gut genutzt. Authentizität wird hier großgeschrieben. Es gibt Sympathieträger und solche, die man schon aus Prinzip nicht leiden kann; Zugang findet man jedoch zu jedem einzelnen Charakter sehr schnell. Im Laufe der Story entwickelt sich jeder auf seine Art und Weise weiter, was dem Ganzen unglaublich viel Realistisches verschafft. Es macht einfach Spaß und ist spannend, die Protagonisten auf ihrem Weg zu begleiten.

 

Zur Story kann ich nur sagen, dass sie mich absolut und bedingungslos gepackt hat. Ich, als bekennender Fantasy- und Thriller-Leser, habe bis zu den Themis Files Books nie auch nur daran gedacht, Science Fiction zu lesen. Sylvain Neuvel hat mich davon überzeugt, dass es sich lohnt, aus den üblichen Genres auszubrechen und nach seiner Reihe zu greifen. Die Spannung baut sich durch die Interviews und Dialoge immer mehr auf, bis sie einen Höhepunkt erreicht, der den Leser völlig mitnimmt.

 

Was soll man noch groß zum Cover sagen? Wie schon bei Band 1 bin ich auch hier hin und weg. Hat man das Buch in der Hand, mag man es gar nicht weglegen. Die Sterne und das daraus entstandene Gesicht funkeln und glitzern vor dem schwarzen Hintergrund - als würde man eben direkt ins Universum blicken.

Fazit

Wer sich bisher nicht an Science Fiction getraut hat - aus welchen Gründen auch immer - sollte nun damit anfangen. Neuvel ist ein grandioser Autor, der es versteht, den Leser in eine ferne und doch so nah wirkende Zukunft zu entführen und ihn an seine Geschichte zu fesseln. Natürlich bekommt ihr die Bücher auch auf Deutsch, da Englisch nun nicht für jeden etwas ist.

0 Kommentare

[Kurzrezension] Jennifer Estep: Black Blade - Die helle Flamme der Magie

Als Diebin hat Lila Merriweather eine Begabung für drei Dinge: Erstens, sich in den Schatten zu verbergen. Zweitens, überall unbemerkt einzubrechen. Und drittens, Geheimnisse zu lüften. Diese Talente kommen ihr auch bei ihrer Arbeit als Bodyguard der Sinclair-Familie zugute - immerhin eine der mächtigsten magischen Mafiafamilien in Cloudburst Falls. Jeder weiß, dass Victor Draconi sie und die anderen Familien einkassieren will - und vorhat, jeden einzelnen Sinclair umzubringen. Doch was niemand weiß, ist, dass Lila ihm auf den Fersen ist. Auf keinen Fall wird sie zulassen, dass der Mann, der ihre Mutter getötet hat, weiteren Menschen, die ihr etwas bedeuten, Schaden zufügt. Nicht so lange es noch Häuser gibt, in die sie einbrechen kann, nicht so lange es noch Dinge gibt, die sie stehlen muss und besonders nicht so lange Devon Sinclair an ihrer Seite kämpft ...

Meine Meinung + Fazit

Wie auch schon die beiden vorhergehenden Teil der Black Blade-Trilogie, konnte mich auch dieser letzte Teil voll und ganz überzeugen. Jennifer Estep entführt den Leser ein letztes Mal in die magische Welt von Cloudburst Falls mit seinen Monstern, Mafia-Familien und sämtlichen Gefahren, die solche mit sich bringen. Durch bildhafte Beschreibungen und authentische Charaktere gelingt es der Autorin, den Leser von Anfang an in ihren Bann zu ziehen und ihn in die Geschichte abtauchen zu lassen. Zugang zu Charakteren und Story findet man sehr schnell.

 

Die Black Blade-Trilogie ist meiner Meinung nach eine Jugendbuch-Reihe, die nicht nur für junge Leute etwas ist und zweifellos von jedem Fantasy-Fan jeden Alters gelesen werden kann. Es hat mir viel Spaß gemacht Lila und Devon in ihrem Kampf gegen Victor Draconi beizustehen und jede noch so schwierige Situation mit ihnen gemeinsam zu meistern. Eine klare Empfehlung!

0 Kommentare